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Kevin Riedl

11 min read · 07 June 2024

Warum Agenturen einen schlechten Ruf haben

Wir kennen sie alle – die Horrorgeschichten rund um Software-Agenturen. Fehlerhafte Lieferungen, verpasste Deadlines oder Kosten, die weit über dem Budget lagen.

Aber was ist das eigentliche Problem? Meistens ist es eine Kombination aus schlechter Kommunikation, fehlendem Reporting, unvorhergesehenen Risiken und Aufgaben, die niemand auf dem Schirm hatte.

Wie baut man also bessere Software und hält dabei die Kosten im Griff? (Das Wunschergebnis)

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Das Teufelsquadrat

Lass uns einen Blick auf das sogenannte Teufelsquadrat werfen.

Vielleicht kennst du das Magische Dreieck. Es besteht aus drei Projektrestriktionen: Zeit, Kosten und Umfang. Diese müssen gegeneinander abgewogen werden, um ein Projekt zu liefern. Ändert man eine davon, wirkt sich das auf die beiden anderen aus.

Harry Sneed, Professor für Software Engineering, hat dieses Modell um eine vierte Größe erweitert: „Qualität". Diese erweiterte Version wird meist als Teufelsquadrat des Projektmanagements oder Sneeds Teufelsquadrat bezeichnet. Es trennt die Qualität vom Umfang, der sich nun ausschließlich auf den Inhalt konzentriert – und nicht mehr auf die Qualität der Lieferung.

Denk mal drüber nach: Wenn wir Software in sehr kurzer Zeit brauchen, müssen wir wahrscheinlich deutlich mehr Entwickler einsetzen, den Scope reduzieren und sogar Abstriche bei der Qualität machen.

The Devil's QuadrangleWer primär auf niedrige Kosten optimiert, riskiert schlechtere Softwarequalität, einen engeren Scope und langsamere Lieferung.

Genauso verhält es sich mit dem Fokus auf Qualität: mehr Ausgaben, engerer Scope und höchstwahrscheinlich ein verspäteter Launch. Und wer gleichzeitig auf Qualität, Scope und Liefergeschwindigkeit optimiert, muss mit deutlich höheren Entwicklungskosten rechnen (siehe Abbildung).

Einer der häufigsten Gründe für den schlechten Ruf von Software-Agenturen ist die falsche Erwartungshaltung. Stell immer sicher, dass du realistische Erwartungen setzt und dich bewusst für deine Kompromisse entscheidest.

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"Schnell, günstig oder gut. Such dir zwei aus."

Cost of Quality

Eine weitere gute Möglichkeit, das zu veranschaulichen, ist die folgende Grafik.

Cost of Quality

Je mehr Zeit dein Team ins Testen und Optimieren der Software steckt, desto weniger Fehler wird sie haben. Als Konsequenz steigen die Präventionskosten – und zwar exponentiell. Das bedeutet: Je stabiler deine Software sein soll, desto überproportional mehr Zeit müssen deine Entwickler ins Testen und Optimieren investieren.

Wird deine Software z.B. in Flugzeugen eingesetzt, kannst du dir keinerlei Fehler erlauben – hier lohnt es sich, deutlich mehr in Prävention zu investieren. Dasselbe gilt für Web3-Anwendungen, da dort in der Regel große Mengen an Kundengeldern im Spiel sind. Je nach Einsatzgebiet deiner Software willst du irgendwo auf dieser Kurve liegen – normalerweise im wirtschaftlichen Gleichgewichtsbereich.

Schauen wir uns Fehlerkosten an. Je mehr Fehler im Produktivbetrieb auftreten, desto mehr muss ausgeglichen werden. Das kann Markenschäden, technische Schulden, zusätzlicher Wartungsaufwand oder echter monetärer Schaden sein – etwa durch Klagen.

Daher willst du in der Regel gerade genug in Prävention investieren, um vertretbare Fehlerkosten zu haben. Das nennt sich das wirtschaftliche Gleichgewicht.

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Was ist mit Risiken?

Alles im Leben birgt Risiken. Manche kennen wir – andere erkennen wir erst, wenn es zu spät ist.

Leider gilt das auch in der Softwareentwicklung. Projektrisiken können erheblichen Druck auf jedes Projektbudget ausüben. Schau dir das kurz an.

How to budget a Project

Jedes Projektbudget sollte in drei Töpfe unterteilt sein: Aufwandsschätzungen (Features – was du gebaut haben willst), Contingency Reserves (Aufwand, der anfällt, wenn ein bekanntes Worst-Case-Szenario eintritt) und Management Reserves (ein pauschales Budget, das im Idealfall alle unvorhergesehenen und tatsächlich eintretenden Worst-Case-Szenarien abdeckt). Wer Risiken einplant, reduziert das Gesamtprojektrisiko deutlich – weil für die Problemlösung ein klares Budget vorhanden ist.

Fazit

Software-Agenturen sind nicht per se schlecht. Meistens sind es falsche Erwartungen und mangelnde Kommunikation, die sie schlecht aussehen lassen. Stell immer sicher, dass du realistische Erwartungen setzt und dich bewusst für deine Kompromisse entscheidest.

Frag beim nächsten Kontakt mit einer Software-Agentur direkt nach: Wie halten sie dich über den Fortschritt auf dem Laufenden – und setzen sie von Anfang an realistische Erwartungen?

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Kevin Riedl

11 min read · 07 June 2024